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Der Film "Haltlos" von Tim Dünschede gewinnt beim Festival "Shortcutz Berlin" den Preis für den besten Kurzfilm des Monats Juni
03.07.2012
 

 
Was macht eine Mutter, die erkennt, dass ihr Sohn ein Gewalttäter ist?

Sie macht ihrem Sohn das Frühstück. Sorgsam und liebevoll legt sie alles zurecht, was er gerne mag. Er ist ihr Sohn und sie würde alles für ihn tun. Weil sie ihn liebt. Doch heute ist alles anders als sonst. Denn sie weiß, was er getan hat. Und sie will wissen warum, sucht den Kontakt zu ihm. Über eine sehr persönliche Ebene wird in dem 12-minütigen Film von Tim Dünschede ein Einblick in das komplexe Thema Jugendgewalt gewährt. Die ganze Hilflosigkeit der Mutter, die erfährt, dass ihr Sohn ein Täter ist, wird in einer kammerspielartigen Szene verhandelt, ergreifend und eindringlich gespielt von Michaela Wiebusch. Dabei wird nie der moralische Zeigefinger erhoben, nie verurteilt. Es geht um Fragen, denen sich Eltern stellen müssen, wenn das eigene Kind den Halt verliert. Eine Antwort kann oftmals niemand geben. Doch aufhören zu fragen sollte man nicht.

„Jugendliche Gewalttäter prügeln und treten Menschen ohne Grund zu Tode oder verletzen diese lebensgefährlich“. Eine Schlagzeile von vielen, die leider allzu oft in den Medien auftaucht. Und immer sind diese Ereignisse mit der Frage verbunden: Warum?

Diese kleine, sehr intime Geschichte nimmt die Fragestellung eines solchen großen komplexen Themas auf. Eine Mutter muss mit Entsetzen feststellen, dass ihr Sohn zu einer Gruppe Jugendlicher gehört, deren Gewalttat soeben die Schlagzeile der Tageszeitung beherrscht. Am Frühstückstisch wird sie unter großen seelischen Schmerzen und noch vor Eintreffen der Polizei ihren Sohn mit der Frage nach dem „Warum“ konfrontieren.

Dramaturgisch sehr intelligent und dank präzise vorgegebener Dialoge baut sich die Spannung zwischen Mutter und Sohn auf. Eine Spannung, die auch für den Zuschauer spürbar ist. Reagiert der Sohn auf die Pressemeldung in der von der Mutter vorgelegten Zeitung zunächst scheinbar teilnahmslos und mürrisch, so wird er zunehmend aggressiver, bis die bohrenden Fragen der Mutter ihn verstummen lassen. Einem seelischen Zusammenbruch der Mutter folgt konsequent die Frage, welche sie sich selbst stellt: Was habe ich falsch gemacht?

Patrick Atzler als Sohn Florian überzeugt glaubwürdig in seinem Spiel. Im Zentrum des Films steht aber ohne Frage die herausragende Leistung von Michaela Wiebusch, welche ohne Überzeichnung die ganze Bandbreite emotionaler Regungen einer Frau und Mutter in dieser Situation zu bewältigen vermag. Ein besonderes Lob verdient die erstaunlich sichere Inszenierung sowie Kamera und Tonarbeit bei dieser studentischen Arbeit.

redaktion   11.07.2012

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