oder „I Hate You But Call Me“ statt „I Wanna Hold Your Hand“
„It’s Monk Time“, so hätte das euphorische Motto eines Kasseler Dokumentarfilm- Abends lauten können. Der Film „Monks - The Transatlantic Feedback“ von Lucia Palacois und Dietmar Post, welcher im Gloria Kino präsentiert wurde, entführte das bunt gemischte Publikum auf eine musikalisch-chaotische Reise in das Nachkriegsdeutschland. Gary Burger, Larry Clark, Dave Day, Eddie Shaw und Roger Johnston kamen zu Beginn der 60er Jahre als GIs ins hessische Gelnhausen und begannen dort, gemeinsam Beatmusik zu machen.
Bald fanden sich zwei Produzenten, die ihnen auch ihren ungewöhnlichen Namen verpassten. Sie traten in schwarzen Umhängen mit Kordel um den Hals und mönchstypischen Frisuren auf, die sicher nicht zufällig an halbrasierte Pilzköpfe erinnerten. So schockte die Band gleich auf mehreren Ebenen: religiös anmutende Gewänder auf der Bühne waren ebenso konventionsfremd wie die damit kombinierte harte und ungewöhnlich verrückte Beatmusik, die die fünf Jungs produzierten. Nicht nur äußerlich sondern auch musikalisch stellten sie einen wilden und archaischen Gegenentwurf zu den doch eher bürgerlichen Beatles dar. Nach einigen größeren Auftritten in bekannten Clubs und dem gnadelosen Flop ihre einzige Platte, „Black Monk Time“, trennte sich die Gruppe schließlich. Dennoch waren sie ihrer Zeit musikalisch weit voraus: Viele moderne Bands bezeichnen die Monks als ihre musikalischen Vorreiter und wenn man sich die ungeschönte Mischung aus harten Gitarrenriffs und verrückten Orgelparts anhört, wird klar, warum sie sogar als innovatives Phänomen der Musikgeschichte betrachtet werden. Viele Richtungen, beispielsweise Metal oder Techno, wären ohne ihre Stilmittel, wie abrupte Breaks oder dem minimalistischen Rhythmus, nur schwer denkbar.
Dem Film gelingt es, ein lebendiges und authentisches Bandportrait zu kreieren, indem er, über die bewährten Mittel wie Rückblendeninterviews und musikalische Dokumente hinaus, auch simple Gegenstande wie Leuchtreklamen, Postkarten und Tourtagebucheinträge mit einfließen lässt, die so ganz nebenbei auch ein treffendes zeitgeschichtliches Bild malen. Die ungestüme Art der Band wird auf diese Weise nicht nur durch die Nacherzählung ihrer Karriere, sondern auch durch jene kreative filmische Darstellung glaubhaft vermittelt. Insgesamt eine erfrischend abwechselungsreiche Produktion im Dschungel der zahlreichen Musikdokumentationen.
In der anschließenden lockeren Fragestunde mit den Regisseuren des Films, die gleichzeitig als Produzenten fungierten, erfuhr man weitere interessante Tatsachen: So waren die Regisseure selbst durch ihre Kontaktierung der Bandmitglieder sicher nicht ganz unschuldig an deren Wiedervereinigung im Jahr 1999. Heute verzeichnet die Band einen ungeahnten Erfolg und füllt mühelos Konzertsäle in Amerika und Europa. Zum Abschluss des sehr gelungenen Abends wurde dann noch der Sampler „Silver Monk Time“ vorgestellt, auf dem verschiedenste Künstler dieser anregenden Band ihren musikalischen Tribut zollen. Wer den Film noch einmal selbst sehen möchte, kann derweil auf das kommende Frühjahr hoffen, wenn der Film mit etwas Glück in den Verleih geht und es wahrscheinlich sogar zeitgleich eine Europatour der Monks geben wird.
http://www.playloud.org/monks.html
http://www.the-monks.com/
http://www.youtube.com/watch?v=a3bMVcuiv6Q